
Donnerstag, 15.10.2026 | 20:00 Uhr
Philharmonie
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SINOPOLIANA 2026 – Konzert zum Gedenken an Giuseppe Sinopoli
Dirigent: Robin Ticciati
Richard Wagner: Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde
Giuseppe Sinopoli: Pour un Livre à Venise, vol. 1
Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 8 in G-Dur, op. 88
Das Philharmonia Orchestra aus London kehrt zum 25. Jahrestag des Todes von Giuseppe Sinopoli nach langer Zeit wieder in die deutsche Hauptstadt zurück. Diese Rückkehr unterstreicht die historische Verbindung zwischen dem Orchester, der Stadt Berlin und dem großen italienischen Dirigenten Giuseppe Sinopoli. Er prägte zwischen 1984 und 1994 als Principal Conductor die künstlerische Entwicklung des Orchesters maßgeblich.
Das Konzert vom 15. Oktober knüpft an diese besondere Tradition an. Unter der Leitung von Robin Ticciati präsentiert das Philharmonia Orchestra seine Hommage an Giuseppe Sinopoli. Ticciati, ehemaliger Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und heute Music Director der Glyndebourne Festival Opera, steht für eine gleichermaßen analytische wie leidenschaftliche Musizierweise. Seine Interpretationen verbinden strukturelle Klarheit mit emotionaler Tiefe und eröffnen neue Perspektiven auf bekannte Werke ebenso wie auf selten gespielte Kompositionen.
Das Konzert eröffnet mit Richard Wagners Vorspiel und Liebestod aus der Oper Tristan und Isolde, einem der eindrucksvollsten Werke der Musikgeschichte. Das Vorspiel entfaltet eine Klangwelt voller Sehnsucht, Spannung und unerfüllten Verlangens. Im Liebestod findet diese Spannung schließlich ihre Auflösung in einer visionären Vereinigung von Liebe und Tod. Vorspiel und Liebestod sind für die Musikgeschichte sehr einflussreiche Kompositionen, sie sind Schlüsselwerke in der Entwicklung der musikalischen Moderne und die beste Einleitung für diesen musikalischen Abend in Gedenken an Giuseppe Sinopoli.
Als Dirigent wurde Sinopoli vor allem durch seine Interpretationen der Wagner-Opern an den Bayreuther Festspielen und an der Deutsche Oper Berlin bekannt. Seine Lesarten zeichneten sich durch außergewöhnliche analytische Präzision, klangliche Transparenz und eine starke Betonung der psychologischen Tiefenschichten der Partituren aus. Während andere Dirigenten die monumentale Dimension Wagners in den Vordergrund stellten, suchte Sinopoli nach verborgenen Bedeutungen und feinen strukturellen Zusammenhängen. Auch in seinem eigenen kompositorischen Schaffen lassen sich Berührungspunkte mit Wagner erkennen. Obwohl seine musikalische Sprache der Avantgarde des 20. Jahrhunderts verpflichtet ist, teilen viele seiner Werke mit Wagner das Interesse an Erinnerung, Zeit und symbolischen Bedeutungen.
Im Zentrum des Abends steht Giuseppe Sinopolis Pour un Livre à Venise, vol. 1, (1975), ein kostbares und selten aufgeführtes Werk von außergewöhnlicher poetischer Dichte. Die Komposition verweist auf Venedig, eine Stadt, die für Sinopoli weit mehr war als ein geografischer Ort: Sie war ein kultureller Erinnerungsraum, ein Symbol für Geschichte, Mythos und Identität. Wie viele seiner Werke entfaltet auch Pour un Livre à Venise ein komplexes Netz von Bezügen zwischen Klang, Literatur und Erinnerung. Die Partitur bewegt sich zwischen fragilen Musikstrukturen und intensiven Ausdruck, zwischen Reflexion und dramatischer Spannung, und eröffnet einen faszinierenden Einblick in das kompositorische Denken Sinopolis, der musikalisches Material des venezianischen Renaissance-Komponisten Costanzo Porta verarbeitet. Sinopoli verbindet historische Polyphonie mit zeitgenössischer Kompositionstechnik, die von seinen Vorbildern Bruno Maderna und Luigi Nono beeinflusst ist.
Während Sinopoli mit analytischer Strenge eine Klanglandschaft zeichnet, die leisen Spuren der Vergangenheit mit der Dichte und starker Ausdruckskraft der Gegenwart verbindet, so finden sich in Dvořáks Symphonie Nr. 8 in G-Dur eingängige Melodien, farbenreichen Orchesterklängen und überraschenden musikalischen Wendungen wieder, die Optimismus und Frische vermitteln. Besonders das strahlende Finale entwickelt sich von einer feierlichen Trompetenfanfare zu einem mitreißenden musikalischen Höhepunkt. Auch wenn Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 8 nicht zum Kernrepertoire Giuseppe Sinopolis gehörte, berührt sie Themen, die seinem künstlerischen Denken nahestanden. Die Verbindung von Naturerfahrung, Erinnerung und menschlicher Sehnsucht, die das Werk durchzieht, entspricht jener Suche nach tieferen Bedeutungsebenen, die Sinopolis Interpretationen auszeichnete.
HINTERGRÜNDE
Das Jahr 2026 markiert den 25. Jahrestag des Todes von Giuseppe Sinopoli (1946–2001), einer der faszinierendsten Persönlichkeiten der europäischen Musik- und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Als Dirigent, Komponist, Intellektueller, Archäologe und leidenschaftlicher Forscher antiker Kulturen verband Sinopoli künstlerische Praxis mit philosophischer Reflexion auf einzigartige Weise. Sein Denken überschritt die Grenzen einzelner Disziplinen und verstand Musik stets als Teil eines umfassenden kulturellen und humanistischen Dialogs.
Der Ministro per lo Sport e i Giovani und das Ministero degli Affari Esteri e della Cooperazione Internazionale haben durch das Italienische Kulturinstitut Berlin das Projekt SINOPOLIANA ins Leben gerufen. Dieses vielschichtige Projekt ist dem Werk und dem Vermächtnis Giuseppe Sinopolis gewidmet und verfolgt das Ziel, dessen künstlerisches und intellektuelles Erbe neu zu entdecken sowie seine außerordentliche Aktualität sichtbar zu machen.
Dieses Konzert erhält eine besondere symbolische Dimension durch seinen Aufführungsort Berlin. Nach dem Fall der Berliner Mauer begann für Giuseppe Sinopoli ein entscheidendes Kapitel seines Lebens in Deutschland. Von 1992 bis zu seinem Tod war er Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und prägte das musikalische Leben im wiedervereinigten Deutschland nachhaltig. Sein letzter Weg führte ihn schließlich nach Berlin: Am 20. April 2001 starb er während einer Aufführung von Verdis Aida an der Deutschen Oper Berlin. Wenige Monate zuvor war Sinopoli als erster italienischer Dirigent in die Geschichte der Bayreuther Festspiele eingegangen, indem er den vollständigen Zyklus von Richard Wagners Ring des Nibelungen dirigierte. Zugleich blieb er seiner Heimat eng verbunden, unter anderem als Musikdirektor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom.
Das Konzert des Philharmonia Orchestra versteht sich daher nicht allein als musikalische Hommage, sondern als Einladung, Giuseppe Sinopoli in seiner ganzen Vielschichtigkeit neu zu begegnen: als Komponist und Dirigent, als europäischer Intellektueller und als Vermittler zwischen Kulturen, Epochen und Denkweisen. Fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod bleibt seine Stimme lebendig – in seiner Musik, in seinen Ideen und in den Fragen, die er an unsere Zeit stellt.
Termin:
Donnerstag, 15.10.2026 | 20:00 Uhr
Preise:
1. Kategorie: 60,00€
2. Kategorie: 55,00€
3. Kategorie: 50,00€
4. Kategorie: 45,00€
5. Kategorie: 40,00€
6. Kategorie: 35,00€
Alle Preise verstehen sich zzgl. CTS- und Vorverkaufsgebühr.
Veranstaltungsort:
Philharmonie Berlin
Herbert-von-Karajan Straße 1
10785 Berlin
Ticketservice:
PAPAGENA
Tel.: 030 479 974 77
eMail: tickets@papagena.de
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